Feliz ano novo.

fühlen

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João kommt jeden Nachmittag zum Fähranleger am Tejo. João heißt wirklich so, wie gefühlt die Hälfte aller männlichen Portugiesen. Er hat seine Gitarre dabei. Und einen kleinen, Akku-betriebenen Verstärker. An einer niedrigen Mauer, direkt mit der Atlantikmündung im Rücken, hat er seinen festen Platz. Er spielt hier jeden Tag, es kommen Touristen, aber auch Einheimische, setzen sich auf die Mauer und schauen aufs Wasser oder machen sich auf den hölzernen Liegebänken breit. Die Wintersonne scheint, ein kühler, salziger Wind weht vom Atlantik, in der Ferne liegen im Dunst die große Hängebrücke und die Jesus-Statue am anderen Flussufer. Es ist der 31. Dezember, die Stadt ist viel leerer, als im Sommer, doch hier ist eigentlich immer etwas los. Vor zwanzig Jahren kam João aus Brasilien und blieb. Damals war das Leben hier noch langsamer, ruhiger – wenn auch oft karg und arm. In Portugal fühlt er sich sonderbar daheim – diesem Land zwischen den Kontinenten, am äußersten Zipfel Europas, nah an Nordafrika, mit einem Tor nach Amerika. Diesem Land der Seefahrer und der weinend im Hafen zurückgelassenen Frauen und Kinder und den unzähligen Liedern über diese. Er mag die Schwere und die Ruhe der Menschen, die Melancholie, die alle doch, wie auch er, immer mit einem milden Lächeln hinnehmen, ja, umarmen. Früher, im alten Zuhause hat er getrunken, viel, sehr viel. Und eine Menge Dummheiten gemacht. Es hätte ihn fast umgebracht. Lissabon, das war einst sein sicherer Hafen und er ist es geblieben. Viel hat er hier nicht, ein kleines Zimmer im Zentrum, das Geld, das er mit seinen Auftritten verdient, reicht gerade zum Leben. Manchmal gibt er Kurse über Música Popular Brasileira – die Musik, die er spielt und singt, wie andere Menschen atmen.

Unglaubliches Sweet’n’Sour Chicken

schmecken

Ich glaube, chinesisches Huhn süßsauer habe ich zuletzt Ende der 90er Jahre gegessen. Damals gehörte es zu den Asia-Klassikern schlechthin. Damals bedeutete Asiatisch praktisch ausschließlich Chinesisch. Heute sind die old school Chinarestaurants rar geworden. Ich finde das schade, denn ich liebe diese würzige, deftige, üppige Küche. Und so gut, wie in dieser Variante habt ihr dieses klassische Gericht noch nie gegessen. Blanker Sex. Ehrlich!