Jahreswechsel: If it’s good, it’s good!

fühlen, schmecken

Die letzten Tage war ich in Venedig. Es war (wie immer dort) anstrengend aber toll. Ich hatte vorab ordentliche Zweifel, ob es eine gute Idee ist, in diesen Zeiten überhaupt irgendwohin zu fahren. Ich schätze aber jetzt, mit Dreifach-Impfung, Maske (in Italien im Moment wieder überall, auch im Freien) und ein bisschen Vorsicht, war es dann doch ok. Gut war es auf jeden Fall, nach Monaten, in denen ich vor allem Bildschirme und mein Wohnzimmer gesehen habe. Damit gute, neue Sachen raus kommen, aus der Birne, müssen halt immer wieder mal auch in paar neue rein, auf dass sich alles verbindet und ein bisschen miteinander reagiert. Ich denke, bin ich mal von meinen Gewohnheiten entkoppelt, fast automatisch über Dinge nach, die ich zukünftig tun möchte – privat, beruflich, musikalisch und auch kulinarisch.

Was diesen Blog angeht, freue ich mich wirklich, dass das, was als eine kleine Fingerübung und auch als therapeutische Ablenkung vom oft anstrengenden Alltag gedacht war, nun schon gut fünf Jahre lang zu einer netten Gewohnheit geworden ist. Und ich freue mich über, im online-Mainstream sicher lächerliche, aber für mich doch erstaunliche, konstant fünfstellige Besucherzahlen pro Jahr. Tendenz stetig steigend, wofür ich nie aktiv irgendetwas getan habe. Danke Euch dafür, ich freue mich wirklich!!

Ich mag es nicht, wenn Dinge vorgeben, mehr zu sein, als sie sind. Deshalb war ich auch ganz schön unsicher, als ich Ende letzten Jahres mein kleines Büchlein „Wie die Auster ins Stüberl kam“ veröffentlichte. Und wenn ich es jetzt, mit ein bisschen Distanz noch einmal lese, dann fallen mir vor allem die vielen sprachlichen Schlampereien auf, die ich eigentlich nicht hätte durchgehen lassen dürfen. Aber irgendwie hat es sich auch gut angefühlt und ein paar Leuten ein bisschen Spaß gebracht. Mehr wollte ich nicht. Und so habe ich für dieses Jahr dann auch vor, mehr Geschichten zu schreiben. Etwas sorgsamer und weniger schlampig, weniger Ich-bezogen und etwas klarer, was die inhaltliche Ausrichtung angeht. Ein paar Ideen habe ich schon, der Rest ist, wie eigentlich in allen kreativen Bereichen, vor allem Arbeit und Disziplin.

Kulinarisch will ich hier eigentlich weiter nur Sachen bringen, auf die ich selbst wirklich Lust habe und keine, von denen ich meine, dass sie Klicks bringen oder irgendwelchen Moden entsprechen. Und ich will meiner Linie treu bleiben, dass es hier liebevoll gemachtes Zuhause-Essen gibt und ich nicht anfange, einen auf Fine Dining zu machen. Ich finde das anstrengend, für die, die es machen und für die, die es essen müssen. Der Kofferraum voller Pasta, Mehl, Tomatensoßen, Sardellen, Kapern, getrockneten Pilzen, Risotto, Polenta und vielem mehr, deutet darauf hin, dass hier wieder ein bisschen mehr italienisch gekocht wird. Sicher meine allerliebste Lieblingsküche, und auch die (neben der deutschen), die ich am besten beherrsche und am tiefsten durchdrungen habe. Was mich brennend interessiert und worüber ich mehr wissen will sind Tacos. Ich dachte lange, ich steh nicht auf mexikanische- und Tex-Mex-Küche. Was für ein Irrtum, abgesehen davon, dass es Tacos noch in vielen anderen südamerikanischen Ländern gibt. Ich glaube, die Vielfalt ist endlos und ich finde diese Richtung einfach so hell, frisch, unkompliziert. Tacos essen macht mir immer irgendwie gute Laune. Ich glaube, von der können wir eh nicht genug bekommen.

Wenn ich mir einen Food-Trend für 2022 wünsche, dann den des bewusster Essens. Das meine ich nicht im diätischen oder ökologischen Sinne. Beides wichtig, aber manchmal, so scheint mir, nehmen diese Aspekte sogar ein bisschen zu viel Raum ein. Nein, ich meine, bewusst zu essen: Hinsetzen, ein bisschen Zeit nehmen, das Handy weglegen und in Ruhe essen. Und wirklich zu schmecken! Ich glaube, das verlernen viele gerade. „Das sieht aber toll aus“ ist auf dem Weg „das schmeckt wunderbar“ zu verdrängen. Eine einfache, gute Bolognese mag weder das originellste, noch das Instagram-tauglichste Gericht sein. Aber aus ein paar wenigen, tollen Zutaten richtig gemacht SCHMECKT sie einfach: Schon die Pasta alleine, nussig und leicht süß nach Weizen, die Soße kräftig, säuerlich-fruchtig, der Parmesan darüber zart salzig und blumig, mit leichter Schärfe und obendrauf ein bisschen fruchtig-herbes Olivenöl. So geht Schmecken. Und wenn’s schmeckt, dann schmeckt’s. Oder wie der Wirt und ich uns in der Trattoria vorgestern einig waren: If it’s good, it’s good.

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