Mais und Mais

fühlen, schmecken

Heute gelernt: Vakuumierter, vorgegarter Mais schmeckt nach Mais. Frischer, einfach nur 20 Minuten in Wasser gekocht und mit ein paar Salzflocken schmeckt und duftet wie: Urlaub am Balaton mit sieben Jahren, wo die Maiskolben, frisch geerntet, in großen Töpfen am Strand gekocht und gesalzen im Ganzen für ein paar Forint verkauft wurden. Reinbeißen, sich das Salz von den Lippen lecken und die ganze Szenerie nie wieder vergessen.

Lieblings-Tacos

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Abendliche Heimfahrt nach zwei Tagen Arbeit in Berlin. Gestern noch lange wach gelegen und über den beschissenen Zustand unserer Welt nachgedacht. Jetzt, wo die Landschaft in der Dämmerung vorbei zieht wieder Gefühle diffuser Unruhe und Erschöpfung. Eigentlich wollte ich jetzt darüber schreiben, wie sinnlos es einem in solchen Zeiten vorkommt, sowas Bescheuertes und Überflüssiges wie einen Food Blog zu betreiben. Was spielt es schon für eine Rolle. Aber sicher ist mal, dass wir Essen müssen. Und jetzt vor lauter Kummer nur noch Tiefkühl-Lasagne? Nee, echt nicht. Ich glaube, gerade wenn es mies läuft, soll man sich was Nettes kochen. So wie wir neulich mit zwei sehr netten Freunden, die wir viel zu wenig sehen und für die ich im Anschluss mein Lieblings-Taco-Rezept aufschrieb, welches ich auch mit Euch teilen möchte. Tacos mit Avocacdo-Creme, Rotkohl, geschmorter Rinderrippe und Papaya-Salsa. Das Foto zeigt ein anderes, ähnliches Gericht (Tacos mit Ente, Rotkohl und Pfirsich-Salsa), denn: Wenn ich für Gäste koche, mache ich ganz selten Fotos vom Essen, weil es mir viel wichtiger ist, den Leuten, die am Esstisch sitzen, die volle Aufmerksamkeit zu widmen.

Bisschen scharf

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Ich habe erst ein bisschen gehadert, ob ich die neue, chinesisch-stämmige Kollegin gleich fragen darf, wo denn die Chinesen in Berlin so essen gehen. Schließlich will man niemanden auf seine Herkunft reduzieren. Aber die Neugier überwog und sie war so nett, ihre Foodie Liste zu teilen.

Erkenntnisse:

1) Man erkennt gute chinesische Läden nicht an ihrem Aussehen. Und wenn, dann heißt das eher: Sehr schlicht. Aber voller chinesischer / asiatischer Klientel.

2) Es gibt tatsächlich neben der Karte für die normalen, deutschen Gäste oft eine zweite für Chinesen mit ganz anderen Gerichten. Meine nette Kollegin hat also Recht mit ihren Rat: Wenn man authentische chinesische Küche will, immer nach der zweiten Karte fragen und übersetzen lassen.

3) Wenn du von der was bestellst, mit dem Wunsch ‚leicht scharf‘, kann trotzdem etwas kommen, dass dir das Gesicht abfackelt. Aber im Guten. Hier: Kurz gekochtes, sehr zartes Rindfleisch mit Gemüse, in einer Brühe voller kleiner und großer Chillischoten, Sichuan Pfefferkörner und Chilliöl. Unglaublich scharf, aber die Schärfe brennt nicht, sie glüht eher. Und macht ein bisschen high.

Frische Nudeln in einer halben Stunde

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Gleich zweimal habe ich in dieser Woche, an einem ganz normalen Abend, frische Nudeln gemacht. Und zwar einfach neben dem Rest des Gerichts – und nach einer halben Stunde konnten wir essen. Einmal fixe Ramen, einmal Linsen-Bolo. Ich meine, ein Grund, warum die meisten so selten frische Nudeln machen, ist, dass man immer gleich eine Großproduktion draus macht. Aber zwei Portionen Bandnudeln, die gehen ganz fix. Für die Asia Nudeln 200 Gramm Mehl mit 200 ml Wasser vermischen und gründlich verkneten. Für die Tagliatelle 200 Gramm gröberes Pastamehl mit zwei Eiern. Teig in Folie wickeln, 10 min ruhen lassen. Dann mit dem Nudelholz ausrollen, bemehlen, zur Rolle wickeln, in Streifen schneiden, zwei, drei Minuten kochen und fertig!

Herbstwald

Allgemein

Ich liebe es, Pilze zu sammeln. Ich liebe den Wald, den Herbst, den Geruch, das Laub, das Moos. Trotzdem bin ich, wenn ich aus dem Auto aussteige, erstmal pessimistisch bis mutlos. Und wenn dann was geht, bin ich wirklich aufgeregt, vielleicht sind das Überbleibsel archaischer Triebe, die dazu führen, dass einem das Herz höher schlägt, wenn man einem ein perfekter kleiner Pilzkopf anleuchtet. Und sind genug zusammen, bin ich fast sorgenvoll und will alles nur rasch nach Hause bringen, damit es unbeschadet und un-zermatscht in der Küche landet. Am liebsten mag ich die Pilze ganz frisch, nur ein paar Stunden nachdem sie noch im Wald standen. So kann man sie für kein Geld kaufen. Und das finde ich wunderbar. Und dann will ich sie ziemlich pur, nur mit ein bisschen Zwiebel, Speck und Sahne und am besten mit einem Semmelknödel.

Lass einfach kochen….

Allgemein

Ich habe länger nichts mehr geschrieben. Viel zu tun. Wunsch nach weniger Bildschirmzeit. Und vor allem: Eine ziemliche Besessenheit vom Musik Machen. Aber da ist noch etwas Anderes. Auch wenn ich nicht mehr jeden Tag koche, dann doch drei, vier Mal pro Woche. Und dabei merke ich, dass ich, zumindest im Moment, wenig Lust habe, irgendwie ausgefallene, originelle Gerichte zu kochen, über die zu schreiben sich wirklich lohnen würde. Man kann daran, wie die Welt gerade ist, schon auch verzweifeln. Ich schätze, das war eigentlich immer so, aber es ist gerade irgendwie näher an uns dran. Mich lässt das vor allem auch in mich hinein horchen, und fragen, was mir eigentlich wirklich wichtig ist. Und in Bezug auf das Thema Essen heißt das oft: Was möchte ich wirklich essen? Und das sind dann eben oft ganz schlichte, vertraute Dinge. Und, neben der Frage, was mir schmeckt, schwingt schon auch eine gewisse Demut mit. Gegenüber hochwertigem Fleisch, Fisch, exotischen oder teuren Zutaten. Ich glaube, man weiß diese Dinge mehr zu schätzen, wenn sie wieder etwas Besonders werden. Und rein geschmacklich sind Spaghetti mit Butter und Parmesan oder eine gute Kartoffel mit Quark und Schnittlauch kein bisschen schwächer, als ein Stück Thunfisch in Sushi Qualität.

Naja, ihr wisst, was ich meine. Ich merke gleichzeitig auch, dass die Liebe zu gutem Essen mit dem wachsenden Respekt vor seinem Wert eher steigt. So wie hier: Spaghetti Puttanesca. Passierte Tomaten, Kapern (statt Oliven, ich hatte noch schöne, kleine), Sardellen, ein bisschen Knoblauch und Basilikum, und am Schluss noch etwas gutes Olivenöl und frischen Parmesan. Geht immer. Vielleicht nicht so instagram-able aber tut einfach gut. Zum aktuellen Down-Sizing passt irgendwie auch, dass mir auf einer Reise vor zwei Wochen mein 1000 Euro Samsung Galaxy S21 Ultra geklaut wurde. Jetzt gibt’s wieder Xiaomi Fotos, tendenziell im Licht der Dunstabzugshaube. Naja, vorerst. Auch von Essens-Fotos, die so aussehen wie bei NIEMANDEM zu Hause, habe ich tendenziell genug.

Eine Sache ist aber auf jeden Fall in der Pipeline: Ich muss selbstkritisch sagen, dass ich mein kleines Buch „Wie die Auster ins Stüberl kam“ wirklich unter ziemlichem Zeitdruck fertig gestellt habe. Mit dem Ergebnis, dass ein vernünftiges Lektorat leider nicht mehr drin war. Deshalb habe ich das Buch vor ein paar Monaten aus der Veröffentlichung genommen und sitze an einer zweiten, runderen und auch etwas erweiterten Ausgabe. Und ich denke, in ein paar Wochen habe ich es geschafft, kann da endlich mit gutem Gewissen einen Haken dahinter machen und dann ist das Büchlein auch wieder erhältlich.