Einfach nicht abliefern

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Mir war heute sehr nach einem schönen Stück Fisch. Schon so 300 Gramm. Skrei hat ja gerade Saison, wissen wir Foodies doch alle. 70 Euro das Kilo, aber, hey, wer das verpasst, ist doch selbst Schuld, oder? Wichtig: glasig gegart muss er sein. Sonst ist das ja eh sinnlos. Dazu muss natürlich was Standesgemäßes. Vielleicht Risotto? Aber dann muss man schon vorher eine frische Brühe kochen, instant geht ja gar nicht. Und obwohl ich keinen Alkohol mehr trinke, muss da zum Ablöschen ein guter Weißwein ran. Und irgendwas Feines rein. Safran? Artischocken? Wo wir eh schon zum Frischeparadies müssen. Und dann, nach sicher eineinhalb Stunden Kochen, muss das natürlich noch perfekt angerichtet und unter gutem Licht fotografiert werden. Und dann isses auch schon fast zehn.

Oder ich nehme den nicht so hübschen, aber frischen Seelachs aus dem Angebot, für 15 Euro das Kilo. Und das Gemüse, das ich noch habe: Bisschen Kürbis in die Pfanne, Olivenöl, Pfeffer, Salz, langsam braten. Vielleicht eine Nelke, ach, da ist noch ein bisschen Ingwer. Eine Hand voll Spinat ist auch noch da. Einfach am Schluss drunter. Und ich glaub, der Saft dieser einsamen Mandarine passt gut. Parallel ein paar Kartoffeln, Karotten und Pastinaken, die noch hinten im Schrank rumkullerten in den Ofen. Der Fisch wird einfach gebraten. Nicht halb-roh, sondern durch, denn der ist robust und kann das ab. Am Schluss kommt ein Schuss Werbegeschenk-Prosecco drüber, ein paar runzelige Kirschtomaten und ein Stückchen Butter. Dann alles auf zwei Teller gezittert, die, Gott bewahre, nicht mal vorgewärmt waren. Die Liebste bekommt was vom Prosecco, ich ein alkoholfreies Bier, der Hund die Haut vom Fisch. Einmal fix geknipst, denn ich wollte Euch kurz davon berichten. Allen schmeckts, wir haben Zeit, drüber zu reden, wie der Tag so war. Und ich schaff noch ein Stündchen mit dem Diablo II Remaster auf der Playstation.

Soll ich noch was dazu sagen? Ich glaub, Ihr wisst schon, was ich meine. Fancy, kreativ und mit Hingabe kochen ist wunderbar. Aber es darf auch einfach nur lecker sein. Und muss, nein, SOLL nicht immer aussehen, wie aus dem Kochbuch. Wir müssen eh schon so oft liefern und performen. Ich meine, beim Kochen und Essen sollen wir uns einfach nur entspannen.

Radiccio Tardivo mit Risotto und Gorgonzola

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Von meinem Venedig / Norditalien Trip habe ich unter anderem auch ein wirklich kostbares, hierzulande immer noch ziemlich unbekanntes Wintergemüse mitgebracht: Radiccio Tardivo. Den könnte man, so meine ich, auch als den Spargel Norditaliens bezeichnen: Es gibt ihn nur ein paar Monate lang, der Anbau ist ziemlich aufwendig, er ist recht teuer und geschmacklich ziemlich einzigartig: Leicht bitter, auch ein kleines bisschen süß, zart und knackig. In München habe ich ihnen schon ein paar wenige Male in sehr gut sortieren Gemüseläden und auf dem Viktualienmarkt gesehen. Ob er es überhaupt nach weiter südlich schafft, weiss ich nicht. Und so glaube ich, es hat wohl wenig Sinn, gezielt nach ihm zu suchen. Aber wenn man ihn mal findet, und etwas für zarte Bitteraromen und überhaupt charaktervolles Gemüse übrig hat, dann sollte man ihn unbedingt mal probieren. Man kann viel mit ihm machen. Ich finde, wie überhaupt bei Radiccio, roh ist er nicht besonders doll. Ich mag ihn am liebsten in der Pfanne geschmort: Halbieren, in Olivenöl von beiden Seiten gut anbraten, Salz, Zucker. Dann ein Schuss Brühe oder weißer Portwein, Deckel drauf und so lange schmoren, bis die Strünke weich sind. Deckel wieder auf, ein bisschen Butter, guten Balsamico und frischen Pfeffer drüber, noch einen Moment mitlaufen lassen und fertig. Dazu: Risotto, Polenta, ein bisschen gebratenen Ziegenkäse oder auch einfach ein bisschen geröstetes Brot.