Bernd’s BBQ Kanal

fühlen

Bernds BBQ Kanal heisst: „Bernd’s BBQ Kanal“. Angefangen Videos zu drehen hat er mit einem Gasgrill vom Baumarkt auf seinem Balkon, mehr als Jucks. Bernd grillt einfach für sein Leben gerne. Eine seiner schönsten Erinnerungen aus seiner Kindheit in der DDR: Sommerabende im Schrebergarten, die Luft prall von Holzkohle-Rauch und Fett. Bratwürste, Cevapcici, Nackensteaks. Essen, das war auch immer Trost und Weltflucht aus dem eintönigen, reiz-armen Alltag. Heute ist Bernd Grill-YouTuber in Vollzeit. Auf seinem Haupt-Kanal folgen ihm eine halbe Million Menschen. Und nochmal zweihunderttausend auf Instagram und TikTok. Seinen Job bei einer Versicherung hat er an den Nagel gehängt und die Wohnung mit Balkon gegen ein Haus mit Garten im Berliner Umland getauscht. Bernd grillt, sprichwörtlich, alles, was Beine hat, außer Tischen und Stühlen. Jeden zweiten Tag ein Video plus Specials macht knapp 1500 Grillvideos in sieben Jahren. Die Community will bei Laune gehalten werden, denn die Konkurrenz von Typen, die wie Bernd, die davon träumen, davon zu leben, sich beim Grillen und Essen zuschauen zu lassen, ist groß.

Mond über der Hansastraße

fühlen, sehen

Seit einem halben Jahr trinke ich keinen Alkohol mehr. Einfach keinen Bock, es reicht. Stattdessen zieht es mich oft noch spät ans Schlagzeug. Auch so eine Droge, die den Kopf aber nicht dicht, sondern schön frei und leer macht. Nach dem Spielen sitze ich gerne ein bisschen an den Bahngleisen, die direkt neben dem Proberaum-Komplex im Münchner Westen verlaufen, und trinke kaltes, alkoholfreies Bier von der Tanke. Heute ist es kurz vor ein Uhr nachts, ich bin verschwitzt und habe Durst. Doch, ich weiss nicht, ob das auch wieder so ein globaler Mangel ist: Heute scheint an allen Tankstellen das alkoholfreie Bier aus zu sein. Auch beim dritten Anlauf kein Glück.

Übermüdet mache ich mich mit dem Auto auf den Heimweg, der auch durch die Hansastraße führt. Mitten über der Fahrbahn, zwischen den Baumwipfeln hängt, unwirklich plastisch und nah, der perfekte, orange leuchtende Vollmond. Wahnsinn. Ich bin so gebannt, dass ich rechts ranfahre, um ein Foto zu machen. Vor lauter Gebanntheit, gepaart mit Müdigkeit und leerem Kopf, habe ich aber auch direkt vergessen, dass ich mir als Kulisse für meinen digitalen Kaspar David Friedrich den Straßenstrich ausgesucht habe. Ich bin noch nicht richtig ausgestiegen, da kommen drei Huren von der anderen Straßenseite auf mich zu. „Öh, ich will nur eben den Mond fotografieren.“ höre ich mich sagen. Sie scheinen nicht zu verstehen. „Du kannst fotografieren meine Pussy“ sagt die eine. „Nein, nein, der Mond!“ Ich zeige nach oben. Was rede ich da eigentlich? Doch auf einmal verstehen sie, rufen entzückt, holen auch ihre Handys aus den Taschen. Und so stehen wir zusammen auf der Straße und knipsen den Mond. Dann: „Gute Nacht, gute Schicht!“ Keine baggert mehr. Wahrscheinlich denken sie, dass ich komplett irre bin. Vielleicht auch nicht. Vielleicht fanden wir auch nur gemeinsam den Vollmond toll.


Auf dem Rest der Heimfahrt bin ich nachdenklich. Zum einen darüber, dass die drei Frauen schon den ganzen Abend an dieser Stelle standen, und nicht sahen, dass über ihnen der riesige Vollmond hing, weil sie zu beschäftigt waren mit der Suche nach Kundschaft. Zum anderen aber auch, weil ich mich frage, was wohl gewesen wäre, wenn ein anderer Autofahrer, der eventuell nicht des Mondes wegen da und so abgelenkt war, mein ziemlich schlecht geparktes, unbeleuchtetes Auto gestreift hätte. Und ich in der Konsequenz später hätte erklären müssen, was ich wohl da vor hatte. Ein Uhr nachts. Auf dem Straßenstrich. Und wie glaubwürdig meine Erklärung wohl gewesen wäre, ich hätte doch einfach nur den Mond fotografieren wollen…

ЗДОРОВЬЕ. Gesundheit. Prost.

fühlen

Ich habe in meinem Handy eine kleine Sammlung von Fotos, um mich an Situationen zu erinnern, aus denen vielleicht einmal Geschichten werden könnten. Beim Durchblättern viel mir meine letzte Echtwelt-Begegnung mit Menschen aus Russland ein. Eigentlich wollte ich mir um diese fröhliche Dreier-Runde im Zug ein bisschen mehr ausdenken. Aber nun möchte ich das einfach nur 1:1 erzählen, weil es mich aktuell beschäftigt und bewegt.

Jahreswechsel: If it’s good, it’s good!

fühlen, schmecken

Die letzten Tage war ich in Venedig. Es war (wie immer dort) anstrengend aber toll. Ich hatte vorab ordentliche Zweifel, ob es eine gute Idee ist, in diesen Zeiten überhaupt irgendwohin zu fahren. Ich schätze aber jetzt, mit Dreifach-Impfung, Maske (in Italien im Moment wieder überall, auch im Freien) und ein bisschen Vorsicht, war es dann doch ok. Gut war es auf jeden Fall, nach Monaten, in denen ich vor allem Bildschirme und mein Wohnzimmer gesehen habe. Damit gute, neue Sachen raus kommen, aus der Birne, müssen halt immer wieder mal auch in paar neue rein, auf dass sich alles verbindet und ein bisschen miteinander reagiert. Ich denke, bin ich mal von meinen Gewohnheiten entkoppelt, fast automatisch über Dinge nach, die ich zukünftig tun möchte – privat, beruflich, musikalisch und auch kulinarisch.

Buch „Wie die Auster ins Stüberl kam“ jetzt erhältlich!

fühlen

Ich freue mich wirklich sehr, diese schöne Nachricht mit Euch, meinem kleinen, aber wirklich außerordentlich feinen Leser*innen-Kreis zu teilen: Mein Büchlein „Wie die Auster ins Stüberl kam“ ist ab sofort als Print on Demand Exemplar bestellbar. Softcover, 100 Seiten. Es enthält eine, überarbeitete, Auswahl der aus meiner Sicht gelungensten kleinen Geschichten, die ich über die letzten fünf Jahre (auch) in diesem Blog veröffentlicht habe. Ausgangspunkt ist immer ein Geschmack, Geruch oder eine Erinnerung an diese. Zum Teil 1:1 eins erlebt, zum Teil ausgeschmückt, manchmal auch komplett ausgedacht. Über Weißbier-schwangeres Austern-Essen, Weihnachten in Venedig, die Chronologie eines sehr speziellen Kneipen-Gigs, ein Schlachtfest am Rennsteig, Eremiten im Plattenbau, Sushi in Suhl und vieles mehr. Ich meine, das sind über weite Strecken einfach schöne, leichte Texte, die ein wenig unterhalten und inspirieren – und mehr soll es auch gar nicht sein. Und da das Büchlein wirklich komplett in Eigenregie entstanden ist, ist natürlich auch nichts daran oder darin perfekt. Aber das ist mir Wurscht. Ich wünsche Euch jedenfalls viel Freude damit.

Bestellbar ist das Buch ab sofort für 14,99 € auf Bookmundo unter diesem Link (Lieferzeit, da Print on Demand ca. 5 Tage) und auch auf Amazon und im Buchhandel unter der ISBN 9789403644349.

Music is back, motherfuckers!

fühlen

Ich weiss nicht mehr, wann ich das letzte Mal derartige Freude empfunden habe, wie bei dem Konzert von Chilly Gonzales im rappelvollen (!) Prinzregententheater München gestern Abend. Was für ein Typ, was für eine Dramaturgie, was für ein Witz, Charme, Charakter, Geist! Es beginnt ganz leise, zum Ende hin explodiert die Musik. Alle flippen aus. Nach dem Konzert kurzer Schnack Backstage. Der große, wilde Kerl strahlt, leuchtet vor Energie und Adrenalin, schweißgebadet und glücklich. Und nicht nur Gonzo ruft es an diesem Abend euphorisch von der Bühne, sondern auch ich begreife und fühle: MUSIC IS BACK, MOTHERFUCKERS!!!

Heores just for one day

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Seit über dreißig Jahren mache ich Musik. Seitdem ist kaum eine Woche, und sicher kein Monat vergangen, in dem ich nicht hinter dem Schlagzeug gesessen habe. Ich hab Rock gespielt und Blues, und Jazz, und Ska, und Weltmusik, Top 40, Oldies, Partymusik, einfach alles, was ging und mich interessiert hat. Doch es ist auch nicht so leicht als ambitionierter Amateur. Ich habe neulich mal überschlagen, dass ich in diesen gut 30 Jahren vielleicht 30, maximal 40 Gigs gespielt habe, die richtig geil waren. Und eine Vielzahl Gigs, bei denen man sich mit allen möglichen Umständen arrangieren musste: Winzige Bühnen, katastrophaler Sound, keine oder nur besoffene Leute da, ätzende oder abwesende Veranstalter. Viele von diesen Gigs ließen sich retten, man lernt, auch unter schlechten Bedingungen noch etwas Brauchbares abzuliefern. Aber es nervt. Und dann gibt’s diese Gigs, bei denen einfach alles passt. Einer davon war ganz sicher der auf der Sommerbühne im Münchner Olympiastadion mit MAILÄNDER. Im Corona Jahr 2020 hatte die Stadt diese wunderbare Reihe auf die Beine gestellt und ziemlich auf den Tag vor einem Jahr waren wir dann mit dabei. Riesige, unfassbar coole Bühne direkt unter dem legendären Glas-Dach, ein Bühnensound, der echtes Rockstar-Feeling aufkommen ließ, grandioses Licht, lauter nette Leute vor, hinter und auf der Bühne und einfach das größte Glücksgefühl, dass ich kenne im Leben: Mit tollen Musikern und guten Freunden gut zu spielen und andere wirklich mitzureißen. Zur Feier des 1-Järhigen dieses Gigs (übrigens der erste in dieser Besetzung) gibt’s jetzt ein schickes Live-Video. Kochen, das ist Hobby und Lebensmittel. Aber Musik, das ist Leidenschaft und Lebens-Mittelpunkt.

Fragment: Ein Tipp

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Er rollt und schlingert mehr, als das er fährt. Sein Fahrrad knärzt und klappert, als er den staubigen Hang herunter eiert. Die Sonne brennt. In der Ferne ragen schmutzig braune Felswände in den Himmel. In der Senke vor ihm liegt eine graue, von der Hitze versengte Stadt. Er kennt weder den Weg zurück, noch weiß er genau, wo er ist. Er steigt ab, schiebt sein Rad durch verlassene, von Dreck speienden Betonhäusern gesäumte Straßen. Es ist Sonntag, alles ist dicht, die Stadt stöhnt in der Mittagshitze. Vor einem Fenster eines Flachbaus stehen ein paar Männer an. Beim Näherkommen erkennt er, dass eine dicke Frau auf einem Gill Hamburger brät. Er hat Angst und schwitzt. Aber er hat auch den ganzen Tag lang noch nichts gegessen. Also stellt er sich in die Schlange. Immer wieder schieben sich neu dazu gekommene Typen feindselig und demonstrativ vor ihn. Irgendwann wird es ihm zu bunt. Er sagt „hey!“. In dem Moment, in dem der Laut des halbstarken Protests seinem Mund entfährt, wünscht er sich schon, er möge wieder dorthin zurück kriechen. Runterschlucken, drin behalten. Doch zu spät. Ein kleiner dünner Mann in Jeans, T Shirt und einem weißen Jackett zischt ihn an: „So so, neu hier und gleich vordrängeln, ja?“ Er: „Ich, wollte, doch, also, Entschuldigung. Können sie mir vielleicht irgendeinen Tipp geben, wie man hier besser zurecht kommt?“. Der Typ verzieht keine Mine. „Du willst einen Tipp? Ich geb dir einen Tipp.“ Blitzschnell zückt er ein dünnes, langes Messer und zieht es ihm über den Handrücken. Blut schießt aus dem Schnitt. Er sieht zu, das er Land gewinnt.

Fragment: Bierglas umgeworfe.

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Ich will versuchen, hier ein bisschen literarischer zu werden. Doch mir fehlt der lange Atem, zum ebensolchen Text. Und oft finde ich, dass mit einem guten Satz schon alles gesagt ist. Deshalb gibt’s ab jetzt Fragmente, ich kann hier schließlich machen, was ich will.

Fragment: Bierglas umgeworfe.

Er hat verschüttet Bier und schäm sich so. Andere Leute mach viel größer Sauerei und schäm sich überhaupt nicht. Eigentlich er müss Bundeskanzler werde.